Wer hätte das erwartet?! 

Eine Auszeit ist eine gute Zeit zum Reflektieren. Steve und Gerdine Stanley leben mit ihrem Oscar seit fast einem Jahr unter den Kovol. Zuvor absolvierten sie eine dreijährige Ausbildung, brauchten zwei Jahre zur Vorbereitung in ihren Heimatländern, waren dann zwei Jahre in der Basis-Station von Papua-Neuguinea und bereiteten sich ein Jahr lang auf das Leben in einem einfachen Dorf bei den Kovol vor.
Das waren acht Jahre der Vorbereitung, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Jetzt legen sie sich ins Zeug, um die Sprache und Lebensweise der Kovol zu erlernen. Ihr Ziel war und ist, dieser Volksgruppe Gottes Wort verständlich zu vermitteln.
Während dieser acht Jahre haben sie auch gewisse Erwartungen darüber entwickelt, wie das Leben im Busch aussehen könnte. Wenn sie jetzt auf ihr erstes Jahr bei den Kovol zurückschauen, stellen sie fest, dass Einiges doch anders lief als gedacht.

1.  Der Alltag ist hektischer als erwartet
Sie dachten, dass das Leben in einer Gemeinschaft, die eher auf Beziehungen als auf Zeit ausgerichtet ist, zu einem langsameren Lebenstempo führen würde. Doch weil sie die Kovol-Sprache so schnell wie möglich verstehen wollen, sind sie ständig darauf bedacht, ihre Lernzeit für das Sprach- und Kulturstudium optimal zu gestalten. Steve versucht, täglich sieben Stunden dafür zu investieren und Gerdine zwei bis vier Stunden. Dabei ist es wichtig, ausgewogen viel Zeit am Computer und draußen mit den Leuten zu verbringen.

2.  Die Teamprobleme sind anders als erwartet 
Grundsätzlich ist das Team gut vorbereitet, versteht sich gut und man schätzt sich gegenseitig. Der unerwartete Faktor war jedoch die Müdigkeit. Wenn alle frisch und ausgeruht sind und Zeit für Teambesprechungen und das Durchdenken von Strategien vorgesehen ist, ist es einfach, Dinge zu diskutieren. Doch wenn Meinungsverschiedenheiten aufkommen, hilft es, einen Schritt zurückzutreten und zunächst die betreffenden Probleme zu besprechen, um dann weiterzukommen.
Viel schwieriger ist es jedoch, wenn alle von der monatelangen harten Arbeit erschöpft sind. Manchmal mussten sie Besprechungen abbrechen, weil ein Teammitglied emotional nicht in der Lage war, sich auf ein bestimmtes Thema einzulassen. Das war ein Test für ihre Bereitschaft, Verständnis zu zeigen und sich selbst zurückzunehmen.

3. In der Sprache gibt es mehr Dialekte als erwartet
Zum Volk der Kovol gehören rund eintausend Menschen. Sie leben auf drei Bergkämmen in sieben verschiedenen Dörfern. Das Territorium dieser Ethnie umfasst kein großes Gebiet. In einer etwa vierstündigen Wanderung von dort, wo das Team in der Mitte des Kovol-Gebietes lebt, befinden sich vier verschiedene Sprachgruppen. Steve und Gerdine erwarteten, dass die Kovol-Sprache genau das ist, was sie ist, eben die Kovol-Sprache. Doch innerhalb eines Dialekts hat jedes Dorf noch seine eigene Aussprache! Das ist definitiv eine zusätzliche Herausforderung im Sprachstudium.

4. Sie kommen schneller an ihre Grenzen als erwartet
Geduld und Mitgefühl bleiben häufiger auf der Strecke, als sie es eingeschätzt hatten. Auch die Fähigkeit, die Sprache zu lernen und sich gleichzeitig mit allem anderen zu befassen, ist begrenzt. Das Erlernen der Sprache ist anstrengend. Sie haben zwar immer erwartet, dass es schwer sein würde, aber die ständig benötigte emotionale Energie stößt sehr schnell an ihre Grenzen, sodass Gott ihnen immer wieder die Kraft zum Weitermachen geben muss.

5. Die Leute sind noch immer begeistert, Missionare zu haben – Wer hätte das erwartet?!
Jeden Tag sorgt das Dorf dafür, dass mindestens ein oder zwei Leute da sind, um Steve und Gerdine die Sprache beizubringen. Das schaffen sie, indem sie sich bei der Gartenarbeit abwechseln.
Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die Missionare nicht mehr willkommen wären. Die Kovol sind ihnen gegenüber heute noch genauso positiv eingestellt wie bei der ersten Ankündigung, dass sie kommen würden. Und es gibt eine wachsende Begeisterung für die Alphabetisierung und das Hören von Gottes Wort in ihrer Sprache.

Es ist ein wahrer Segen, einer Volksgruppe dienen zu können, die Hunger auf Gottes Wort hat!

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